Feldenkrais und Reiten

"Das Unmögliche wird möglich, das Mögliche wird leicht und das Leichte wird ästhetisch"

Das gilt insbesondere für das harmonische Reiten, aber nun zum Gesamtzusammenhang:

 

Feldenkrais und Reiten

 

 

1.      Die Feldenkrais-Methode

Die nach Dr. Moshe Feldenkrais benannte Methode ist naturwissenschaftlich ausgerichtet und sehr effektiv. Sie ist eine körperbezogene Lernmethode, sie hilft, die Selbstwahrnehmung zu schulen, das Körpergefühl zu verbessern und Bewegungsabläufe bewusster zu machen – genau das , was wir beim Reiten brauchen, um fein und harmonisch zu reiten..

 

2.      Feldenkrais und Pferde

Das Prinzip der Feldenkrais-Methode, Bewegungsabläufe möglichst leicht und angenehm zu gestalten, kann, mit sehr effektiver Wirkung, genauso auch auf das Pferd übertragen werden. Diese Lernmethode beginnt beim Umgang mit dem Pferd, wie auch bei der Körper- und Bodenarbeit mit ihm.

Schließlich ist die Feldenkrais-Methode auch ein sehr wirksames Instrument, um das Pferd zu einem vertrauensvollen Partner und mittels bestimmter Übungen insgesamt beweglicher und durchlässiger werden zu lassen. Die Methode ist die gleiche wie beim Menschen: bestimmte Bewegungen werden langsam und bewusst durchgeführt, so dass das Pferd ein besseres Körpergefühl bekommt und auch nicht wahrgenommene Körperpartien wieder ins Bewusstsein gerufen und so (re-)aktiviert werden können. Insgesamt erhält man auf diese Weise ein im besten Sinne „rittiges“ Pferd: ein Pferd, das dem Menschen vertraut, durchlässig ist und gern mitarbeitet.

 

 

3.      Feldenkrais und Reiten

 

Nur das Zusammenspiel der beiden ersten Punkte – ein gut geschultes Körper- und Bewegungsbewusstsein beim Menschen wie beim Pferd sowie das Vertrauen des Pferdes zum Menschen führt zu dem, was man „feines Reiten“ nennen könnte: Ein effektives und harmonisches Miteinander von Pferd und Reiter, das durch eine sehr feine Hilfengebung gekennzeichnet ist und sowohl Pferd als auch Reiter Freude macht.

 

Die Feldenkrais-Methode beschäftigt sich in erster Linie um das „Wie“. Wie mache ich etwas. Beispiele

a)      beim Aufsteigen auf das Pferd: Welches ist die effektivste Form, um aufzusteigen, d.h. wann belaste ich am wenigsten das Pferd und was ist die sicherste Art und Weise?.

b)      zur Sitzschulung des Reiters: Sitze ich wirklich aufrecht oder mache ich ein Hohlkreuz/runde Schultern? Ist mein Gewicht gleichmäßig verteilt oder belaste ich eine Körperhälfte stärker als die andere? Sind meine Beine wirklich lang oder klammere ich mit den Schenkeln/ziehe die Hacken hoch? Hängen meine Schultern locker nach hinten oder halte ich meine Schultern und Arme fest/presse die Ellbogen an den Körper? Halte ich meine Fäuste aufrecht oder drehe ich sie nach innen oder außen? Halte ich meinen Kopf gerade und oben oder schaue ich schräg nach unten? usw.

c)      zum Erlernen feiner Hilfengebung: beispielsweise beim Geradeausreiten und bei der Richtungsänderung: Bin ich in der Lage ausbalanciert zu sitzen? Kann ich mein Gewicht kontrolliert verlagern, d.h. spüre ich meine Gesäßknochen und kann sie einzeln anheben/herunterdrücken? Bin ich beweglich im Becken und im Oberkörper, so dass ich mich wie um eine Achse drehen kann, ohne dabei schief zu werden? Halte ich meine Schultern dabei gerade und die Arme parallel? Treibe ich mit der „flachen Wade“ oder ziehe ich dabei das Bein/die Ferse hoch? beim Anhalten: Bin ich in der Lage, mein Becken abzukippen? bei der Zügelführung: Wieviel Gewicht habe ich in der Zügelhand? Bin ich in der Lage, feine Impulse mit den Zügeln zu geben oder ziehe ich an den Zügeln? usw.

 

Die Feldenkrais-Methode ist ein ausgezeichnetes Mittel, sich vorhandener Einseitigkeiten, Steifheiten usf. überhaupt erst bewusst zu werden, um sie dann gezielt verändern zu können. Grundlegend dabei ist das eigene Erleben dessen, was man am und auf dem Pferd ausführt. Alle diese Dinge können zunächst „trocken“, d.h. auf dem Boden/Holzpferd geübt werden, um das Pferd nicht unnötig zu belasten.

Dabei gibt es kein „richtig oder falsch“, sondern der Schüler muss, angeleitet durch den Feldenkrais-Practitioner, selbst herausfinden, was angenehm bzw. unangenehm ist. Dabei kommt es durchaus vor, dass eigentlich leichtere Bewegungen zunächst als unangenehm – weil ungewohnt – erscheinen. Ursache dafür ist, dass der Körper häufig ausgeführte Bewegungsmuster abspeichert und es so beispielsweise dazu kommen kann, dass eine von außen betrachtete eindeutig schiefe Haltung vom eigenen Körpergefühl her als gerade erlebt wird. Daher bedarf es eines Lehrers, dessen Blick dafür geschult ist und der entsprechende Hilfen und Vorschläge geben kann, durch die es dem Schüler möglich wird, diese Haltung selbst – und damit das eigene Körperbild – auf Dauer zu verändern.

Auf diese Weise können Selbst- und Fremdwahrnehmung also zumindest einander angenähert werden.

 

In Bezug auf das Reiten gilt: Erst wenn man am eigenen Körper erlebt und gespürt hat, welche Wirkung bestimmte Handlungen (z.B. Fersenhochziehen/langes Bein) haben, wird man Bewegungen bzw. Hilfengebung sensibler und bewusster ausführen.

Wenn man einmal gespürt hat, wie sich der „richtige Sitz“ denn nun anfühlt, wird man in der Lage sein, ihn durch immer wieder bewusstes Erinnern auf die Dauer einzuüben und zu internalisieren, um längerfristig in der Lage zu sein, ihn ohne langes Überlegen einnehmen zu können. Dementsprechend beginnt die Sitzschulung des Reiters bereits am Boden und bekommt der Reiter auch selbst einmal die Trense und das Gebiss in die Hand, während jemand anderes die Zügel führt.

Also ein spielerisches Lernen, welches sehr effektiv ist.